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Der zweite Teil unserer Post-Serie Softwarevergleich ist da!

Datenschutz und verschlüsselte Kommunikation sind Wörter, die uns durch Medienberichte der letzten Zeit gut bekannt sind.

Manche Apps, die wir zur täglichen Kommunikation benutzen, haben unerwünschte Aufmerksamkeit erhalten - da sie Spyware eingebunden haben, um für die Regierung Daten zu erfassen. Es wird immer wieder empfohlen, auf gewisse Messenger zu verzichten und stattdessen lieber einen bestimmten anderen Messenger zu installieren.

Hier wollen wir vier sehr bekannte, kostenfreie Messenger miteinander vergleichen und ihre Vor- und Nachteile hervorheben.

Eines der wichtigsten Kritierien, das wir dabei betrachten ist die Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Diese stellt sicher, dass nur Absender und Empfänger die Nachrichten auch entschlüsseln können. Dabei ist zu beachten, dass manche Apps dies zwar anbieten, die Funktion jedoch extra gewählt werden muss und nicht die Standardeinstellung für das Verschicken von Texten ist. Ein anderer Aspekt, der für viele Nutzer_innen wichtig bezüglich Privatsphäre ist, ist die Frage, ob die andere Person die Telefonnummer kennen muss. Darüber hinaus haben Messenger im Alltag die Funktion von vielen anderen Kommunikationsplattformen übernommen und Möglichkeiten Text, Fotos und Videos auszutauschen sind nur Grundvorrausetzung für viele. Es sollen Umfragen, Sticker, gepinnte Posts, Anrufe über das Internet und Hervorhebungen möglich sein.

In diesem Post sprechen wir über WhatsApp, Telegram, Signal und Element in unserem persönlichen Vergleich.

WhatsApp

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WhatsApp ist mit mehr als 450 Millionen User_innen einer der beliebtesten (und vielleicht auch der bekannteste) Messenger unserer Zeit. Der Dienst kann auf bis zu 5 Geräten gleichzeitig genutzt werden und beinhaltet viele Funktionen, wie zum Beispiel Anrufe, Videoanrufe, Gruppenchats, Sticker und Emojis.

Trotzdem hat WhatsApp schon oft für Negativschlagzeilen gesorgt - hauptsächlich, wie bereits erwähnt, geht es dabei um das Thema Datenschutz. [1]

Datenschützer_innen bemängeln, dass die App das vollständige Adressbuch unverschlüsselt an den amerikanischen Server weiterleitet. Diese Daten könnten unterwegs leicht von potentiellen Angreifer_innen abgeschöpft werden. Äußerst problematisch ist, dass es sich dabei nicht nur um die eigenen Daten, sondern auch um die Daten von Personen handelt, die den WhatsApp-Messenger womöglich nicht einmal installiert und damit keinerlei Zustimmung zur Verarbeitung ihrer persönlichen Daten durch den Konzern gegeben haben. [2]

Nach harter Kritik von vielen Seiten bietet WhatsApp nun seit Ende 2014 eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Nachrichten an. Expert_innen kritisieren, dass diese Verschlüsselung nicht verifiziert werden muss - dies wäre zum Beispiel möglich, indem Chatpartner ihre Identität per QR- oder Zahlencode bestätigen.

Ein weiteres Datenschutzrisiko ergibt sich daraus, dass der Dienst seit 2014 zu Facebook (mittlerweile Meta Relations) gehört. Direkt nach der Übernahme wurde bekanntgegeben, dass der Datenaustausch zwischen WhatsApp und dem neuen Mutterkonzern nicht möglich sei. Seit Mai 2018 werden jedoch Informationen deutscher NutzerInnen des Messengers an den Anbieter weitergegeben. [3] [4]

Der Quellcode von WhatsApp liegt nicht offen; Anwender_innen müssen Meta Relations also nach wie vor ein gewisses Vertrauen einräumen.

Element

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Element hieß bis vor kurzem noch Riot und ist für Smartphones oder als Desktop-Anwendung erhältlich.

Die App setzt auf Matrix, ein offenes Chatprotokoll, dass auch auf einem eigenen Server gehostet werden kann. Eine Kommunikation zwischen verschiedenen Servern ist dabei natürlich möglich. Einige Regierungen empfehlen den Kommunikationsumstieg auf Messenger, die auf Matrix basieren. Man braucht für Element keine Telefonnummer, nur einen Benutzernamen, um sich zu registrieren und andere zu finden.

Element setzt wie Signal auf offenen Quellcode. Nachrichten, die mit Einzelpersonen ausgetauscht werden sind End-zu-End verschlüsselt und es gilt die sogenannte Perfect Forward Secrecy (PFS), was bedeutet, dass auch in dem Fall, dass der Langzeitschlüssel bekannt wird, Nachrichten aus der Vergangenheit verschlüsselt bleiben.

Für Gruppenchats gilt diese PFS jedoch nicht.

Signal

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Signal hat den Ruf, einer der sichersten Messenger zu sein, der frei erhältlich für iPhones, Android und Desktop ist.

Entwickelt wird die App von einer gemeinnützigen Stiftung, empfohlen unter Anderem von der europäischen Kommission. Der gesamte Quellcode ist öffentlich zugänglich. Dies führt dazu, dass Schwachstellen von der Community erkannt und in Folge behoben werden. Die gesamte Kommunikation auf Signal ist Ende-zu-Ende verschlüsselt, auch Gruppenchats. Nicht mal der Betreiber hat Zugriff auf die Daten – dies wird auch Zero-Trust-Prinzip genannt. Nutzer_innen müssen nicht darauf vertrauen, dass der Betreiber keine Spyware installiert.

Es gibt auch praktische Funktionen, die von anderen Apps bekannt sind. Man kann Screenshots verhindern, selbstlöschende Dateien schicken oder Chats starten, die nach einer gewissen Zeit automatisch gelöscht werden. Auch die Kontakte sind verschlüsselt. Eine Telefonnummer ist leider notwendig für die Nutzung. Freund_innen und Kolleg_innen, von denen man die Telefonnummer hat, erscheinen automatisch als Kontakt. Dies führt zu einem einfachen Umstieg vom Standardmessenger zu Signal, verringert jedoch die Anonymität. Anrufe in der App funktionieren wahlweise über die Telefonnummer oder über eine zufällige IP-Adresse (mit Qualitätsverlust).

Es existieren leider noch keine standardmäßigen Funktionen um Nachrichten zu editieren oder Umfragen in Gruppen zu machen. Es kann jedoch mit einem Emoji auf eine Nachricht geantwortet werden. 9 Daumen hoch und 1 Daumen runter sind auch ein gutes Umfrageergebnis! :D

Telegram

Anders als viele andere Größen der Social-Media- und Messenger-Welt hat Telegram seinen Ursprung nicht in den USA, sondern in Russland. Gegründet wurde der Messenger 2013 von Pawel Durow. Dieser hatte bereits 2006 mit seinem Bruder Nikolai die russische Facebook-Alternative VKontakte gegündet. Inzwischen zählt der Dienst eine knappe halbe Milliarde Nutzer_innen.

Telegram bietet im Gegensatz zu vielen anderen Messengern geheime Chats an. Diese sind für Nutzer gedacht, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung benötigen.

Was Telegram ebenfalls ausmacht sind eigentlich banal klingende Eigenschaften der dortigen Gruppenchats. Die Gruppen bei Telegram können erstens unbegrenzt groß sein und zweitens zur Ein-Weg-Kommunikation genutzt werden. Letzteres heißt: Nutzer können einen sogenannten "Kanal" eröffnen, den andere abonnieren, in dem sie aber selbst nichts posten können. Letztlich erinnert Telegram an dieser Stelle viel mehr an ganz klassische soziale Medien, wo User einem anderem folgen und dessen Posts eher passiv mitverfolgen.

Auch, wenn die klassischen sozialen Netzwerke keineswegs Hass- und Fake-News-freie Zonen sind - alles verbreiten kann man dort nicht. Bei Telegram ist das anders. Der Messenger brüstet sich damit, keine Daten an Dritte oder Regierungen weiterzugeben und auch auf Anfrage keine Inhalte zu entfernen - außer es handelt sich um Urheberrechtsverletzungen, etwa bei Sticker-Sets oder Porno-Bots.

Das heißt also - bei Telegram können auch Extremisten in jeder Form vor großem Publikum ihre Meinung mitteilen, und das zumeist ohne größere Konsequenzen. [5]

Telegram stand oft in der Kritik, da der Quellcode nicht komplett öffentlich zugänglich war. Dies änderte sich 2019 - der Code für alle offiziellen Clients kann seitdem eingesehen und dementsprechend auch analysiert und mitentwickelt werden.

Fazit

WhatsApp Element Signal Telegram
Open Source X
Anonyme Nutzung X X
Nachrichten editieren X X
Automatisches Löschen X
Sprachnachrichten
Telefonieren
Videotelefonieren X
Umfragen erstellen X X X
Standardmäßig verschlüsselt X

Schlussendlich kommt es darauf an, wie sehr gewisse Chatfunktionen, Datenschutz oder Verschlüsselung für Enduser_innen ausschlaggebend sind. Derzeit werden die letzten beiden Kriterien aber in allen Alterklassen immer mehr zum Thema, weswegen viele Menschen nach Alternativen zu z.B. WhatsApp suchen. Man kann zumindest sicher sagen, dass für diesen Fall inzwischen genügend Messenger-Variationen auf dem Markt sind, um jede_n zufriedenzustellen!

Wir nutzen innerhalb der Conesphere GmbH übrigens primär Element.

Quellen:
[1] https://www.sueddeutsche.de/digital/whatsapp-nutzungsbedingungen-facebook-signal-threema-1.5168755 am 10.12.2021

[2] https://www.indiatoday.in/technology/features/story/when-you-use-whatsapp-this-is-data-it-collects-and-records-for-user-tracking-according-to-apple-app-store-1750769-2020-12-18 am 10.12.2021
[3] https://www.forbes.com/sites/emmawoollacott/2021/12/09/russia-doubles-down-on-censorship-with-expanded-block-on-tor/? am 10.12.2021
[4] https://www.heise.de/tipps-tricks/WhatsApp-Daten-Auf-was-kann-Facebook-zugreifen-5052804.html am 10.12.2021
[5] https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/alles-ueber-telegram-the-good-the-bad-and-the-ugly,SdESFKQ am 10.12.2021